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Literatur verbindet – 200.500 Euro für mehr kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Würzburg
Mit den Fördermitteln werden anteilig die Personalkosten für das Projektmanagement, Honorarkosten sowie projektbezogene Sachkosten finanziert. Die Gesamtkosten des sozialen Vorhabens belaufen sich auf über 251.000 Euro. Der Projektstart ist für Oktober 2026 vorgesehen, die Finanzierung ist bis Ende September 2029 sichergestellt.
„Dass die DEUTSCHE FERNSEHLOTTERIE die Umsetzung unserer Idee ermöglicht, ist für uns ein starkes Zeichen für gelebte Inklusion. Dafür danken wir allen Mitspielerinnen und Mitspielern für jeden einzelnen Spieleinsatz bei der bekannten Soziallotterie. Literatur eröffnet Welten – doch viele Menschen mit Behinderung in und um Würzburg erleben bis heute, dass ihnen der Zugang zu kulturellen Angeboten erschwert wird. Wir werden bestehende Literaturangebote in Würzburg inklusiver gestalten und zeigen, dass kulturelle Teilhabe nur dann gelingt, wenn ganz selbstverständlich an alle Menschen gedacht wird“, erklärt Martina Sponholz, Geschäftsführerin des Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Stadt und Landkreis Würzburg e.V.
Menschen mit Behinderung sind im kulturellen Leben noch immer unterrepräsentiert. Literaturveranstaltungen setzen häufig ausgeprägte Lese- und Schreibkompetenzen voraus. Viele Angebote in Leichter oder Einfacher Sprache sind den Betroffenen kaum bekannt. Hinzu kommen Unsicherheiten und Ängste vor Ausgrenzung oder Stigmatisierung. Dadurch bleiben wertvolle Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe und des gesellschaftlichen Austauschs oft ungenutzt. Genau hier setzt das neue Angebot der Lebenshilfe in Würzburg an.
Mit einem inklusiven Leseclub sollen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Literatur erleben und an öffentlichen Orten wie Cafés oder Büchereien miteinander ins Gespräch kommen. In einem Schreibclub werden Personen mit Kommunikationseinschränkungen in einem geschützten und kreativen Umfeld eigene Texte kreieren können und so ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten möglich machen. Ergänzend wird ein Eventclub, der die Teilnehmenden gezielt auf Lesungen, Literaturfestivals und kulturelle Veranstaltungen in Würzburg vorbereitet, ins Leben gerufen. Gemeinsam werden literarische Inhalte verständlich aufbereitet, Veranstaltungsorte kennengelernt und Erfahrungen anschließend reflektiert. So können bestehende Barrieren Schritt für Schritt abgebaut und Menschen mit Behinderung als selbstverständlicher Teil des kulturellen Lebens der Universitätsstadt sichtbar gemacht werden.
„Kulturelle Teilhabe ist ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe. Das Würzburger Projekt eröffnet Menschen mit Behinderung neue Möglichkeiten, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, Literatur gemeinsam zu erleben und ihre Perspektiven sichtbar zu machen. Damit stärkt es Selbstbewusstsein, Begegnung und Inklusion gleichermaßen. Genau solche Projekte zeigen, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt wachsen kann. Deshalb unterstützen wir dieses Engagement in Franken sehr gerne“, so Stephan Masch, Repräsentant der DEUTSCHEN FERNSEHLOTTERIE.

Im Jubiläumsjahr 2026 feiert die DEUTSCHE FERNSEHLOTTERIE ihr 70-jähriges Bestehen und steht somit seit 1956 für das Motto „Gewinnen & Helfen“. 755.000 Personen konnten sich im Jahr 2025 über einen Gesamtgewinn von mehr als 45 Millionen Euro freuen. 90 von ihnen gewannen mehr als 100.000 Euro, und 11-mal gab es einen Millionengewinner. Mit jedem Spieleinsatz fördern die Mitspielerinnen und Mitspieler gleichzeitig soziale Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderung oder schwerer Erkrankung, wohnungslose Menschen, Geflüchtete sowie Initiativen im Quartier. Mindestens 30 Prozent der Spielerlöse der gemeinnützigen DEUTSCHEN FERNSEHLOTTERIE GmbH fließen jedes Jahr über die gemeinnützige Stiftung Deutsches Hilfswerk in den guten Zweck. In sieben Jahrzehnten hat sich die DEUTSCHE FERNSEHLOTTERIE von einer einzigartigen Idee zur traditionsreichsten Soziallotterie Deutschlands entwickelt. In diesem Zeitraum konnten über 11.500 soziale Vorhaben mit mehr als 2,2 Milliarden Euro gefördert werden. Allein im Jahr 2025 wurden über 70 Millionen Euro an mehr als 400 karitative Projekte in Deutschland ausgeschüttet. Auf den Freistaat Bayern entfielen dabei 52 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von 10,2 Millionen Euro. In den vergangenen zehn Jahren konnten so insgesamt 455 soziale Vorhaben mit 66,9 Millionen Euro in Bayern unterstützt werden.
Foto: Max Thümmel
Lebenshilfe Würzburg feiert 60-jähriges Jubiläum
1966 wurde die Lebenshilfe Würzburg mit einer klaren Vision gegründet: Kindern und jungen Menschen mit geistiger Behinderung Bildung, Förderung und eine Perspektive zu ermöglichen. Damals standen Menschen mit Behinderung häufig am Rand der Gesellschaft.
„Heute ist Inklusion, Selbstbestimmung und Teilhabe eine Selbstverständlichkeit für uns“, so Geschäftsführerin Martina Sponholz. „Dieser Wandel ist nicht von allein entstanden. Er wurde von vielen engagierten Menschen gestaltet und unsere Einrichtung hat dazu über sechs Jahrzehnte einen wichtigen Beitrag geleistet.“
Inzwischen berät und begleitet die Lebenshilfe Würzburg Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen in verschiedenen Lebensphasen und Lebensbereichen: von der 2023 gegründeten inklusiven Kindertagesstätte Haus am Bach über die Christophorus-Schule mit Schulvorbereitender Einrichtung und Heilpädagogischer Tagesstätte bis hin zu den Ambulanten Diensten und dem Büro für Leichte Sprache.
Auch zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Verwaltung und dem sozialen Bereich folgten der Einladung zum Jubiläumsfest, darunter Landrat Thomas Eberth, der stv. Regierungspräsident Thomas Schiebel, die Geschäftsleiterin der Sozialverwaltung des Bezirks Unterfranken Viola von Brunn, MdL Kerstin Celina, MdL Volkmar Halbleib, MdL Björn Jungbauer, die Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel, die Stadträtin und CSU-Fraktionsvorsitzende Rena Schimmer, die Inklusionsbeauftragte der Stadt Würzburg Dr. Sandra Michel, die Behindertenbeauftragen Rosa Behon und Julian Wendel sowie Dieter Körber und Simon Haupt vom Unternehmensverbund Mainfränkische.
Martina Sponholz bedankte sich vor allem bei den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern von Kostenträgern und Behörden, die die Arbeit der Lebenshilfe seit vielen Jahren als wichtige Finanzierungs- und Projektpartner begleiten, sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und kommunaler Verwaltung, die sich dafür einsetzen, dass die Belange von Menschen mit Behinderung Gehör finden und soziale Einrichtungen die notwendigen Rahmenbedingungen erhalten.
Ein zentrales Projekt der vergangenen Jahre war der geplante Neubau der Christophorus-Schule. Trotz zahlreicher Rückschläge gelang nach intensiven Verhandlungen nicht nur ein Durchbruch in Bezug auf die Finanzierung der Projektsteuerung, sondern es wurde auch eine bayernweite Regelung geschaffen, von der künftig auch andere Förderschulen profitieren werden.
Trotz aller Erfolge sieht sich die Lebenshilfe Würzburg mit erheblichen zukünftigen Herausforderungen konfrontiert. Wolfgang Trosbach machte deutlich, dass soziale Einrichtungen vor großen finanziellen und strukturellen Herausforderungen stehen. Damit Menschen mit Behinderung auch künftig verlässliche Unterstützung erhalten, brauche es auskömmliche Rahmenbedingungen und eine langfristig tragfähige Finanzierung.
Besonders deutlich werde dies bei dringend notwendigen Bauprojekten. Für Sanierungen und Neubauten müssen freie Träger erhebliche Eigenmittel aufbringen. Beim geplanten Neubau der Christophorus-Schule läge der Eigenanteil der Lebenshilfe Würzburg im zweistelligen Millionenbereich: eine Summe, die der Verein aus eigener Kraft nicht finanzieren könne.
Mit Sorge blickt die Lebenshilfe außerdem auf den aktuellen Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz. Nach den bisherigen Plänen könnten Leistungen der Verhinderungspflege deutlich eingeschränkt werden. Gerade Familien, die auf diese Unterstützung angewiesen sind, etwa wenn pflegende Angehörige vorübergehend entlastet werden müssen, wären davon unmittelbar betroffen. Auch die vorgesehenen Kürzungen bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger bewertet die Lebenshilfe kritisch. Sie fordert deshalb, Reformen gemeinsam mit den betroffenen Menschen und ihren Familien zu entwickeln.
Neben den finanziellen und politischen Rahmenbedingungen bleibt auch die Personalgewinnung eine zentrale Zukunftsaufgabe. In den kommenden Jahren werden zahlreiche erfahrene Mitarbeitende altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden. Um die Qualität der Angebote dauerhaft sichern zu können, braucht es deshalb wirksame Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel.
Sechs Jahrzehnte nach ihrer Gründung bleibt die Lebenshilfe Würzburg ihrem Auftrag treu: Menschen mit Behinderung und ihre Familien zu begleiten, Teilhabe zu ermöglichen und sich auch künftig mit Nachdruck für ihre Interessen einzusetzen.
Hier finden Sie einen Beitrag von TV Mainfranken zum Jubiläumsfest.
Fotos: Diana Bernatska
Tischtennis-Silber für Szebasztian Miroskin

45 Jahre Lebenshilfe Würzburg und SD Worx

Inklusiver Fahrradausflug verbindet Menschen mit und ohne Behinderung
Eine Gruppe von rund 30 fahrradbegeisterten Teilnehmenden mit und ohne Behinderung radelte gemeinsam auf dem Main- und Gaubahnradweg und legte dabei über sechzig Kilometer zurück. Eine Stärkung und die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch gab es mittags im Brückenbaron in Bolzhausen.
Die Tour war Teil des Tourenprogramms 2026 des ADFC Würzburg/Kitzingen. Weitere gemeinsame Aktionen sind bereits in Planung.


Schreib für Leichte Sprache offenbart großen Bedarf an verständlichen Texten
Unter dem Motto „Schreib für Leichte Sprache“ nahmen Menschen und Einrichtungen aus ganz Deutschland teil und zeigten damit: Leichte Sprache fehlt noch immer in vielen Bereichen des täglichen Lebens.
Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen, die einem festen Regelwerk folgt. Sie ermöglicht Millionen Menschen den Zugang zu Informationen und damit zu mehr Mitsprache und Selbstbestimmung im Alltag. Zur Zielgruppe der Leichten Sprache gehören beispielsweise Menschen mit Behinderungen, ältere Personen oder Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.
In den vergangenen Wochen haben Nutzer*innen von Leichter Sprache ihre Wünsche auf Aktions-Postkarten geschrieben, die vorab beim Büro für Leichte Sprache Würzburg bestellt werden konnten. Welche Texte soll es in Leichter Sprache geben? Die Antworten sind vielfältig: ein medizinischer Befund, ein Arbeitsvertrag oder auch ein Theaterprogramm. Besonders in den Bereichen Gesundheit, Wohnen, Arbeit sowie Kunst und Kultur gibt es einen großen Bedarf an verständlichen Texten.
Anschließend wurden die Postkarten an Behörden, Museen, Krankenkassen, Vereine und viele weitere Stellen verschickt, die oft schwer verständlichen Texte herausgeben. Die Postkarten-Aktion „Schreib für Leichte Sprache“ will Einrichtungen dazu motivieren, den Bedarf an Leichter Sprache ernst zu nehmen. Sie soll den Einrichtungen auch zeigen, welche konkreten Angebote in Leichter Sprache die Zielgruppe braucht, um teilhaben zu können. Für manche Einrichtungen ist die Aktion der erste Impuls, sich mit Leichter Sprache auseinanderzusetzen. Für andere ist sie der entscheidende Anstoß, um konkrete Angebote umzusetzen.
„Wir freuen uns sehr, dass auch in diesem Jahr wieder so viele Menschen aus ganz Deutschland an unserer Postkartenaktion teilnehmen und sich mit uns für Leichte Sprache stark machen“, sagen Elena Husel und Julia Bartenstein vom Büro für Leichte Sprache Würzburg. „Die rege Beteiligung macht den großen Bedarf an sprachlicher Barrierefreiheit deutlich.“

Foto: Torsten Repper