Sonderpreis der Jury für "Liegen ist Frieden"

Nun mussten aber zunächst die Musikrechte erworben werden, sowohl beim Management von ELEN als auch beim Musikverlag. Wir bekamen sie!

Das Projekt konnte starten.

Zeile für Zeile wurde der Text genau angeschaut und es wurden Ideen gesammelt, wie man den Text darstellen könnte. Die Jugendlichen hatten tolle Ideen.

Wir dachten nach: Was soll die Botschaft des Films sein? Wie können wir die Zuschauer mitnehmen und begeistern?

Wichtig war uns, dass wirklich alle Schülerinnen und Schüler beteiligt werden.

Und diese Personen waren dabei: David mit Schulbegleiterin Pia und Schulbegleiterin Tanja, Julia, Leonie, Paulina, Maksim, Laron, Azmi mit Schulbegleiterin Laura, Lévante, Phil, Yumirka Fuentes (HEP) und Simone Schmidtner (StudRin FöSch).

Klar war auch, dass der Film ohne gesprochene Sprache auskommt und insofern vor allem durch seine Bilder überzeugen muss.

Schließlich mussten einige allzu abstruse Ideen ad acta gelegt werden und die Lehrkraft fertigte ein Storyboard an. Parallel wurden Drehorte geplant, Kostüme mitgebracht, Requisiten hergestellt und Rollen verteilt.

Ganz witzige Ideen waren zum Beispiel: eine überdimensionale Zahnbürste mit Bauschaum als Zahnpasta, das „Geschenk an die Welt“ in Form eines Schülers mit Geschenkbändchen um den Körper, eine selbst genähte Friedensflagge, auf der die Friedenstaube patchworkartig gestaltet ist, ein Unfall mit Matchboxautos auf dem Verkehrsteppich und so weiter.

Es wurde geprobt und geändert, weggestrichen und ergänzt.

Durch gute Kontakte konnten ein professioneller Kameramann und eine semiprofessionelle Cutterin gefunden werden.

An zwei Drehtagen im Sommer war es dann endlich so weit! Da es regnete, musste statt des geplanten Drehorts – dem Fußballfeld – kurzerhand die Turnhalle herhalten. Ein Schüler war krank (der Businessmann), ein anderer sprang für ihn ein.

Die Gesangs- und Tanzgruppe performte zusätzlich im Innenhof.

Wir hatten sehr viel Spaß bei den Dreharbeiten, aber es war auch mega anstrengend, eine Szene so oft zu spielen, bis der Kameramann Thorsten zufrieden war.

Als Thorsten das Rohmaterial vorbereitet hatte, schickte er die Festplatte nach Wien zur Cutterin Anne. Frau Schmidtner übermittelte Anne ihre Vorstellungen und telefonierte mehrfach mit ihr. Anne schnitt das Rohmaterial super und exakt passend zum Lied.

Bis das Werk Ende August fertig war.

Mit diesem vierminütigen Musikvideo, das vom Management und vom Musikverlag abgesegnet werden musste, bewarben wir uns dann beim Jugend-Film-Festival in Bad Kissingen, bei dem aus ganz Unterfranken Filme von vielen Kinder- und Jugendgruppen eingereicht wurden.

Es war aufregend, als wir mit einigen Jugendlichen sowie Eltern im Kino in Bad Kissingen saßen und unser Film zum ersten Mal auf der großen Kinoleinwand gezeigt wurde.

Und: Wir gewannen den Jugendfilmpreis für Unterfranken!!! (neben zwei anderen Filmen)

Was für eine Freude! Und damit hatten wir uns für das Bayerische Kinder- und Jugend-Film-Festival im Juli 2026 in Augsburg qualifiziert.

Wir zeigten unseren Film befreundeten Klassen in der Christophorus-Schule und auch im großen Kreis für die ganze Stufe.

Darüber hinaus wurde „Liegen ist Frieden“ im Rahmen der Internationalen Filmtage am Central Kino in Würzburg gezeigt.

Am letzten Wochenende in der Schulzeit war es endlich so weit. Yumi Fuentes und Simone Schmidtner, durften mit vier Jugendlichen (Leonie, Paulina, Laron, Phil) nach Augsburg zum BKJFF fahren.

Die drei Tage vom 24.–26.07.2026 waren so aufregend. Wir übernachteten in einer Jugendherberge, schauten gemeinsam mit vielen, vielen anderen Filmgruppen zig Filme an, durften mit Unterstützung einen kleinen Videoclip zum Thema „Recht auf Privatsphäre“ drehen und an Workshops von echten Profis teilnehmen.

Und ganz besonders waren die zwischenmenschlichen Begegnungen. Zum Beispiel lernten wir einen Filmschaffenden aus Peru kennen oder die nette Charlie. Und wir tanzten alle bis nach Mitternacht auf der Filmparty.

Am Sonntagnachmittag war die Preisverleihung im brechend vollen Annasaal, an der Politiker und Promis dabei waren und die Jury Filme in verschiedenen Kategorien prämierte.

Fast ein Wunder: Wir bekamen den Sonderpreis der Jury!

Dazu gab es eine tolle Laudatio des Jury-Vorsitzenden und tobenden Applaus.

Mit Tränen in den Augen waren wir völlig aus dem Häuschen über diese große Wertschätzung unserer Arbeit. Paulina hielt eine kleine Rede auf der Bühne. Leonie hielt den Siegerpokal (einen Roboter) in Händen, Phil die Siegerurkunde und Laron den Umschlag mit dem Preisgeld.

500 Euro Preisgeld hatten wir neben der Anerkennung gewonnen. Besonders freute uns Erwachsene, dass die besondere Leistung der Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten gesehen wurde – ebenso wie das fast einjährige Gruppenprojekt.

Nach der Preisverleihung mussten wir zum Bahnhof in Augsburg rennen und im überfüllten Zug, in dem nicht eine einzige Toilette funktionierte, lange Zeit stehen.

Völlig erschöpft und überglücklich trafen wir am Sonntagabend um 19:30 Uhr wieder in Würzburg ein.

Eine Erkenntnis der Regie: Ein solches Projekt gelingt nur, wenn man die Begeisterung und die Lust der Schauspielerinnen und Schauspieler sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnt.

Wieder in der normalen letzten Schulwoche angekommen, entschied sich die Mehrheit der M8 dafür, mit dem Preisgeld einen Ausflug in den Freizeitpark nach Geiselwind zu machen, denn davon haben alle Akteure etwas.

Was für eine tolle Klasse!

Text: Simone Schmidtner

 

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