Lebenshilfe warnt vor drohendem Sozialabbau
Verhinderungspflege: Wegfall wichtiger Entlastung für Angehörige droht
Besonders kritisch bewertet die Lebenshilfe den geplanten Wegfall der Verhinderungspflege. Bislang können pflegende Angehörige diese Leistung nutzen, um sich stunden- oder tageweise entlasten zu lassen, etwa für Arzttermine, Einkäufe oder dringend notwendige Erholungsphasen. Nach den aktuellen Reformplänen soll diese Möglichkeit ab 2027 entfallen.
Gleichzeitig soll der bisherige Entlastungsbetrag in ein sogenanntes Sozialraumbudget überführt werden. Dieses könnte künftig nicht mehr über mehrere Monate angespart werden. Für viele Familien würden damit wichtige Möglichkeiten wegfallen, um längere Entlastungsangebote oder Urlaubsaufenthalte zu finanzieren.
Auch die geplante Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige um 30 Prozent sieht die Lebenshilfe mit großer Sorge. Viele Angehörige reduzieren ihre Erwerbstätigkeit über viele Jahre, um die Pflege zu übernehmen. Eine geringere Absicherung erhöht das Risiko von Altersarmut.
Konkrete Folgen: Wenn Entlastung und Teilhabe wegfallen
Welche Auswirkungen die geplanten Änderungen im Alltag haben könnten, zeigen folgende Beispiele aus der Praxis:
Inge nutzt den Familienunterstützenden Dienst (FUD): Eine Ehrenamtliche übernimmt einmal in der Woche ihre Betreuung und Pflege. Inges Familie macht in dieser Zeit Einkäufe und bekommt eine kurze Auszeit.
Wenn die Verhinderungspflege ab 2027 wegfällt, kann Inge den FUD nicht mehr darüber bezahlen.
Die pflegenden Angehörigen von Bernd brauchen Zeit, um sich zu erholen und Kraft für den Alltag zu schöpfen. Deshalb übernimmt eine andere Person die Pflege für Bernd in einer Woche im August. Dafür spart Bernd den Entlastungsbetrag über mehrere Monate an. Oder er nutzt die Verhinderungspflege.
Wenn die Verhinderungspflege ab 2027 wegfällt, kann Bernd diese nicht mehr nutzen. Und Bernd kann den Entlastungsbetrag nicht mehr ansparen.
Lebenshilfe ruft zu politischem Engagement auf
Die Reform ist noch nicht beschlossen. Deshalb ruft die Lebenshilfe Würzburg Betroffene, Angehörige und Unterstützer*innen dazu auf, aktiv zu werden:
- schreiben Sie an Ihre Bundestagabgeordneten Dr. Hülya Düber und Aaron Valent. Wir haben einen Musterbrief erstellt, den Sie hier herunterladen können.
- unterschreiben Sie die bundesweite Petition www.innn.it/keine-kuerzungen